Das Zusammenspiel von Körper und Seele führt zu neuen Wegen in der Medizin

Seitdem der französische Naturwissenschaftler und Philosoph, René Descartes im 17. Jahrhundert behauptete, Körper und Seele des Menschen seien voneinander getrennt, hat sich die moderne Medizin dieser Sichtweise angeschlossen und suchte die Quelle von Beschwerden bislang meist in körperlichen Ursachen.

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Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele stärker im Fokus der Wissenschaft

Doch in den letzten Jahren erkennen Psychologen, Forscher und Mediziner immer mehr, dass Körper und Seele untrennbar zueinander gehören und wechselseitig noch stärker aufeinander einwirken als bisher angenommen wurde. Dass sich Stress, Ärger und Streit durch all die dazugehörigen, negativen Emotionen auch körperlich durch Muskelverspannungen, Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Herzinfarktsymptomen ausdrücken können, dürfte inzwischen vielen bereits bekannt sein.
Allerdings gibt es auch den umgekehrten Fall, wenn sich beispielsweise körperliche Krankheiten wie etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse oder ein hormonelles Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn massiv auf die Psyche auswirken. Depressivität und andere psychische Störungen treten dann in Folge dieser körperlichen Ursachen auf.

Wie sich psychische Beschwerden (Depressionen) durch Steuerung von Bewegungen beeinflussen lassen

Bei Depressionen werden nach heutigem Wissen am häufigsten Gesprächstherapien in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung eingesetzt.
Diese Behandlungsweise könnte nach den neuesten Erkenntnissen jedoch noch um eine weitere, wichtige Komponente ergänzt werden, nämlich einer Fokussierung auf die Körperwahrnehmung und Bewegungsmuster des Patienten. In Studien stellte sich heraus, dass bestimmte hüpfende oder wiegende Bewegungen innerhalb einer Tanztherapie bei Depressionen und Angststörungen zu einer deutlichen Besserung des Befindens beitragen, da die teilnehmenden Patienten die Möglichkeit erhalten, aus ihrem üblichen, depressiven Bewegungsmuster (langsamer, schleichender und gebückter Gang) herausfinden. Durch die veränderten Bewegungs- und Haltungsmuster lassen sich positive Effekte auf Konzentrationsfähigkeit, das Empfinden von angenehmen Emotionen und die Lernfähigkeit erzielen.

Selbst wenn auf unbewusst ablaufende, körperliche Bewegungen mechanisch Einfluss genommen wird, wirkt sich das veränderte Bewegungsverhalten messbar auf die Psyche aus. Dies konnte bei einer ungewöhnlichen, psychatrischen Behandlung mehrerer depressiver Patienten festgestellt werden. Die Ärzte blockierten mit einer Botox-Behandlung gezielt die Beweglichkeit der Zornesfalte an der Stirn, um ein trauriges oder zorniges Zusammenziehen der Augenbrauen zu verhindern. Dieser mechanische Eingriff unterstützte die Behandlung insofern, dass die Patienten auf negative Botschaften weniger oder langsamer reagierten als vorher und die depressiven Beschwerden der Versuchsgruppe in den nächsten Monaten um die Hälfte reduziert wurden.